Diese Frage beschäftigt mich viel und ich merke, dass sie für mich stark zusammenhängt mit der Frage, ob ich Kinder will. Das klingt wahrscheinlich banal, aber im Patriarchat werden wir es nicht schaffen, nicht in patriarchale Muster zu verfallen – vor allem nicht in heterosexuellen Kleinfamilien. Ich als heterosexueller Cis-Mann schon gleich gar nicht. Für mich stellt sich also eher die Frage, ob und wie Elternschaft für heterosexuelle Cis-Männer möglich ist, ohne allzu sehr Väter zu sein. Also paradox formuliert und konkret auf mich bezogen: Wie kann ich als heterosexueller Cis-Mann Vater sein, ohne Vater zu sein?
Grundsätzlich glaube ich nicht, dass Vaterschaft möglich ist, ohne in der Rolle des Vaters (also des Patriarchen) das Patriarchat zu reproduzieren. Vaterschaft in ihren wechselnden Formen ist in unseren Gesellschaften die Rolle/Norm, von der aus das Patriarchat gedacht und konstruiert ist. Vaterschaft und Männlichkeit sind als Säulen des Patriarchats eng miteinander verwoben. Im Patriarchat sozialisiert und lebend komme ich aus der Nummer nicht raus. Das lässt mich ernsthaft daran zweifeln, ob ich überhaupt Kinder will. Aber auch das scheint mir ein fauler Ausweg zu sein, der letztlich keiner ist. In patriarchalen Mustern bleibe ich so oder so.
Bleibt also auch hier nur die Subversion, das Eingehen der Widersprüche, das beständige Arbeiten an und mit ihnen. Dass mir das mit meiner Positionierung in einer heterosexuellen Kleinfamilienkonstellation gelingen kann, glaube ich nicht. Da läge dann einfach zu viel Norm-Ballast in der Waagschale. Daher kann ich mir Eltern-/Vaterschaft nur in Familienmodellen vorstellen, die wenig(er) konform sind (weil sie mehr als zwei Erwachsene/Eltern umfassen, weil sie queeres Begehren beinhalten, weil sie Zweigeschlechtlichkeit unterlaufen, weil sie an Lebensweisen von Familie anknüpfen, die weniger bürgerlich/europäisch geprägt und kollektiver gedacht sind…).