Lange Zeit hätte ich als erstes geantwortet: Eine funktionierende, auf längere Dauer angelegte Liebesbeziehung, in der (ein) gemeinsame(s) Kind(er) vorstellbar ist/sind. Vielleicht erscheint das von außen als Selbstverständlichkeit und ist nicht unbedingt die Antwort, die Menschen bei dieser Frage erwarten. Aber als Person, die einen großen Teil ihres Erwachsenenlebens nicht in Liebesbeziehungen verbracht hat, finde ich es wichtig, auch diesen Aspekt sichtbar zu machen. Allzu oft begegnet mir die Paar-Norm bzw. Liebesbeziehungs-Norm, die mir ein wenig hinterfragter Aspekt von Heteronormativität zu sein scheint – wenig hinterfragt auch in gesellschaftskritischen Milieus und insbesondere beim Thema Kinderkriegen.
Auch wenn ich in Phasen eines ausgeprägten Kinderwunsches über Möglichkeiten nachgedacht und mich informiert habe, um alleine Vater zu werden (Pflegekind, Adoption…), war mir letztlich immer klar, dass ich das in Beziehung erleben und vor allem die Verantwortung teilen will. Das muss keine Zweier-Liebesbeziehung sein, aber doch irgendeine Form von Kollektivität, gemeinsamer Entscheidungsfindung, Teilen von Freude, Verantwortung, Ängsten, Entwicklungsschritten etc. Mit Blick auf die Reproduktion des Patriarchats – insbesondere in der Rolle des Vaters/Patriarchen – und dessen Keimzelle, der heterosexuellen Kleinfamilie, fände ich es sogar erstrebenswert, Vaterschaft in einer anderen Konstellation zu erfahren. In der Realität erlebe ich aber, dass oft spätestens beim Thema Kinder nicht mehr viel übrig bleibt von den Idealen freundschaftszentrierter Lebensweisen und alternativer Lebensformen. Am Ende gewinnt dann eben doch allzu oft die Kleinfamilie, bestenfalls in einer modernisierten Variante mit ein paar unterstützenden Freund_innen und ein wenig schlechtem Gewissen. Mich macht das manchmal traurig, manchmal wütend und es lässt mich oft einsam zurück.