Ein befreundetes Paar aus der Schulzeit, mit denen wir eng befreundet waren in einem Freundeskreis, in dem lauter Pärchen waren, die alle Kinder kriegten, fragte mich als Hebamme an. Ich merkte dann, dass der Kontakt doch nicht so gut war, dass ich meinen Kinderwunsch hätte ansprechen können. Es war halt schon eine Freundschaft, aber scheinbar nicht so tief, dass man über tiefe Probleme letztlich redet. Ich habe also die Betreuung als Hebamme abgesagt. Ich bin dann natürlich trotzdem zu Besuch gewesen und habe auch netten Kontakt gehabt. Aber das wurde immer weniger. Von beiden Seiten, glaube ich. Da gab es jetzt nie groß Kommunikation dazu oder einen Streit.
Aber ich habe zunehmend gemerkt in diesem Freundeskreis, in dem dann alle Kinder hatten und wenn wir zusammen saßen ging es viel um diese Kinder – das einzige, was ich da machen konnte, war arbeiten. Ich beantwortete fachliche Fragen den ganzen Abend lang. Ich habe das also immer mehr als eine Art Arbeitssituation wahrgenommen, was für mich jetzt nicht so gewinnbringend war. Die Beziehung zu diesen Freunden ist dann schnell abgekühlt.
Das war jetzt eher ein Negativbeispiel. Ein positives Beispiel ist die Beziehung zu einer meiner besten Freundinnen. Wir lernten uns kennen, da hatten wir beide keine Kinder. Sie hat dann irgendwann ein Kind bekommen und ich habe mich sowohl in der Schwangerschaft als auch im Wochenbett von mir aus viel eingebracht, weil ich sie wirklich sehr gerne mochte. Ich hab zum Beispiel was gebastelt und ihr Essen vorbei gebracht, sie viel unterstützt, aber auf einer freundschaftlichen Ebene, nicht Hebammen-mäßig. Es war immer so, dass es auch Raum für mich gab. Klar gab es auch mal Tage, an denen es ihr nicht gut ging und es nur ums Baby ging, aber das war selten. In der Elternzeit hat sie sich meistens richtig gefreut, dass jemand kommt, der ein anderes Thema mit ihr besprechen kann. Es war gewinnbringend für uns beide, weil ich konnte reden, sie hatte Zeit mir zuzuhören und sie hat sich gefreut, mal was anderes zu hören als Babythemen. Ich glaube, wir haben das gut hingekriegt.
Sie ist auch sehr einfühlsam gewesen, als zum Beispiel das zweite Kind bei ihr kam. Ich war zu der Zeit gerade in so einem ganz akuten Kinderwunsch-Schub. Ich weiß noch, da hat sie wirklich an Silvester tagsüber angerufen und mir mitgeteilt, dass sie beim gemeinsamen Feiern abends nichts trinken wird. Und dass ich mir wahrscheinlich denken kann, warum. Und dass sie mir das erzählen will, weil es ihr für mich leidtut. Also, sie hat kommuniziert, dass sie empathisch für mich mitdenkt und das hat mich irgendwie sehr beeindruckt. Dass ich da so gesehen wurde. Das hat sonst nie einer gemacht.
Und heute sind wir immer noch total gut befreundet. Ihre Kinder sind jetzt schon groß. Mit ihr konnte ich immer offen kommunizieren und sie hat einfach immer mit an mich gedacht oder zumindest an den wichtigen Punkten. Und deshalb hat es eben all die Jahre total gut geklappt. Als sie schwanger wurde, hat sie sich glaube ich total gefreut und gleichzeitig auf dem Schirm gehabt, dass sie eine Freundin hat, bei der es nicht klappt und sie hat das einfach ausgesprochen. Ich glaube, sie war bestimmt nicht die Einzige in meinem Umfeld, der das so ging. Aber sie war die Einzige, die es ausgesprochen hat. Das wird mir jetzt grade erst so deutlich bewusst.