Also, beruflich habe ich ganz regelmäßig Kinder in meinem Leben, eigentlich täglich. Ich vermisse das auch, wenn ich das nicht habe. Definitiv. Das sind eben auch immer ganz kleine Kinder in meinem Alltag als Hebamme.
Ansonsten habe ich ein Patenkind, mit dem ich auch engen Kontakt habe. Das Kind wurde geboren, als mein Kinderwunsch ganz akut war lustigerweise. Jetzt ist es schon volljährig. Und natürlich habe ich auch mit Kindern von Freunden zu tun und guten Kontakt. Aber ich merke, ich bin jetzt niemand, die irgendwie massiv auf Kinder zugeht. Das ist mir dann auch zu anstrengend. Andere haben das immer wieder an mich herangetragen, ob ich vielleicht in eine Gemeinschaft ziehen möchte und mich da in das Leben mit Kindern einbringen möchte. Aber da habe ich immer gemerkt, da wären dann für mich die Vorteile des Kinderlos-seins nicht mehr da. Diesen Anteil scheint es in mir auch zu geben, der gerne nur die Tante ist, die dann mal kommt und einen flotten Spruch hat und mal kurz spielt, aber dann auch wieder geht. In meinem Alltag vermisse ich keine Kinder.
Beruflich habe ich lange Zeit vor allem Familien im Wochenbett betreut. Selbst einen eigenen unerfüllten Kinderwunsch in diesem Beruf zu haben, wo du quasi als Fachfrau in die Familien gehst, die genau das jetzt haben, was du nicht hast. Das war schlimm. Dazu dann noch Freunde, die anrufen und sagen „Wir sind schwanger – willst du unsere Hebamme sein?“ Also, wenn das so von allen Seiten kam, das war heftig.
Da habe ich manchmal wirklich noch Freude am Telefon grade so ausgedrückt, aufgelegt und geweint. Weil ich einfach nur dachte, wie unfair ist die Welt. Das war schon echt hart zwischendurch. Und trotzdem hat mich der Beruf auch sehr gestärkt, weil ich immer wieder gemerkt habe, wie gut ich mit Babys kann.
Durch meinen Beruf glaube ich auch tatsächlich, ich wäre eine wirklich gute Mutter gewesen. Also sicher mit ihren Fehlern - auf jeden Fall. Aber ich glaube, ich hätte mich wirklich gut gekümmert, wäre authentisch gewesen, hätte gut zugehört.
Die Kombination aus unerfülltem Kinderwunsch und meinem Beruf hat mich also gleichzeitig belastet und gestärkt. Ich habe mir dann auch irgendwann gesagt: Du wirst immer mit Babys zu tun haben, wenn du willst, in deinem Job.
Zwischendurch habe ich auch an einen Jobwechsel gedacht. Durch eine systemische Beratung wurde mir bewusst, dass ich einem Umfeld lebe, das krass auf Kinder ausgerichtet ist. Ich kannte wenige Personen, die ein anderes Lebensmodell hatten und das ist, glaube ich, auch die Herausforderung gewesen. In anderen Kreisen, anderen Berufsfeldern mit mehr Karriereperspektive wäre das Thema vielleicht gar nicht so intensiv immer wieder aufgekommen. Der Gedanke hat mich irgendwie beruhigt. Es war wichtig für mich anzuerkennen, dass es mit meinen Lebensumständen zu tun hat, dass sich der unerfüllte Kinderwunsch so anfühlte, wie er sich eben anfühlte und dass es okay ist, so zu fühlen.