Mittlerweile liegt die Trennung ein paar Jahre zurück. Seitdem ist viel geschehen. Einzug in getrennte Wohnungen. Gemeinsam gemeisterte Erkrankungen des Kindes. Viele streitvolle sowie einige konstruktive Gespräche. Es sind viele Worte gefallen, die sich einbrennen. Als das erste Mal das Wort „Anwalt“ fiel, war ich mit meiner Energie am Ende. Genervt und zermürbt von der Tatsache, dass ich nun den Rest meines Lebens an den Vater meines Kindes gebunden bin. Eindeutige Feststellung: Es ist anstrengend ein Kind getrennt aufzuziehen, aber ich kann es mir nicht mehr anders vorstellen. Mein Kind und ich sind ein Team – zumindest meistens. Und sein Vater ist bestrebt nur das Beste für unser Kind zu wollen. Darüber sind wir uns einig. Wir lieben unser Kind über alles und streben das Optimum an. Da ist es, das Wort Optimum. Bis vor kurzem war mir nicht klar, dass wir das anstreben. Doch zeitweise habe ich den Eindruck, dass ich im Zusammenleben mit meinem Kind, die Trennung kompensieren möchte. Ich kompensiere durch sehr viel Liebe und Geborgenheit. Der Vater kompensiert mit liebevoller Strenge und Wissensvermittlung. Erst seit den letzten Monaten entwickelt sich bei mir ein Verständnis darüber, dass das nicht geht. Natürlich nicht, das liegt eindeutig auf der Hand. Doch wenn man getrennt erzieht, kann es passieren, dass man alles richtig machen will, weil man mit der Trennung bereits einen großen und vermeintlich negativen Einschnitt in das Leben des Kindes vorgenommen hat.
Wir erziehen unser gemeinsames Kind weitestgehend getrennt. Für mich ist es schwer, das zu akzeptieren, weil ich mir mehr Austausch und Konsens wünsche. Für den Vater meines Kindes ist es umso bedeutsamer, weil er die Autonomie braucht, um seine Rolle als Vater erfüllen zu können. Wir sprechen uns wenig ab, haben jedoch einen festen Betreuungsplan. Weihnachten verbringen wir meistens zusammen und auch gemeinsame Urlaube finden statt. Wir geben uns Mühe, unserem Kind gegenüber gute Eltern zu sein und gleichzeitig ein zufriedenes Leben für uns selbst zu führen.