Sandra

Alter
44
Gender
Weiblich
Kinderwunsch
unklar

Wie haben sich Freundschaften verändert, seit Du bzw. enge Freund*innen Kinder haben?

Zu den meisten Freund:innen mit Kindern habe ich den Kontakt verloren oder er ist sehr sporadisch geworden. Zum Teil spielen da unterschiedliche Lebensentwürfe und Alltage eine Rolle, meist aber vor allem die auf beiden Seiten fehlenden zeitlichen Kapazitäten. Ich empfinde das bei einigen früher engen Freundinnen als großen Verlust. Bei meiner Schwester gelingt es besser, den Kontakt zu halten. Allerdings bin ich hier seit der Geburt ihres Kindes stark in einer Unterstützerinnen-Rolle und vermisse die Gegenseitigkeit im Zuhören und füreinander da sein. Wenn wir uns sehen, steht meist das Kind im Mittelpunkt – sowohl bei unseren Gesprächen als auch, was unser beider Aufmerksamkeit angeht. Ich freue mich einerseits sehr, daran teilhaben zu können, andererseits vermisse ich sehr die Qualität unserer früheren Beziehung.

Wie hast du den Prozess bis zum Abbruch erlebt?

Ich war sehr jung ungewollt schwanger und habe mich für eine Abtreibung entschieden. Die erste Gynäkologin, bei der ich damals war, hat mir das Ultraschall gezeigt und versucht, mich zu einer Freigabe zur Adoption zu überreden. Da habe ich die Gynäkologin gewechselt. Die pro familia Beratung habe ich als einen reinen Pflichtakt empfunden, um die Abtreibung vornehmen zu können. Ich habe das Thema damals vor allem mit meinen Eltern besprochen, die mir beide stark zu einer Abtreibung geraten haben und mein Zögern nicht nachvollziehen konnten. Eine Ex-Freundin meines Vaters sagte mir, dass sie glaubt, dass ich das Kind bekommen möchte. Erst dieses Gespräch hat mir ermöglicht herauszufinden, was ich eigentlich will. Ich habe mir dann sehr viel Zeit für die Entscheidung gelassen und bin bis heute – trotz eines unerfüllten Kinderwunsches – mit der Entscheidung zufrieden. Ich spreche recht offen über meine Abtreibung, wenn heute das Gespräch auf ein solches Thema kommt. Nur an dem Haus, in dem die Abtreibung vorgenommen wurde, gehe ich immer noch nicht gern vorbei.

Wenn sich dein Kinderwunsch (bisher) nicht erfüllt hat, was macht das mit dir?

Ich war mir immer sicher, dass ich Kinder wollte. Der Wunsch, mit Kindern zu leben, wird immer wieder bestärkt – ob meine „biologischen“ oder aus anderer „Quelle“ ist für mich völlig nachrangig. Meine Partner wollten/ konnten keine Kinder haben. Ich habe die Frage zunächst immer wieder aufgeschoben. Eine Zeitlang dachte ich dann, ok, dann keine Kinder, ich bin auch so ein zufriedener Mensch. Aber die Frage taucht immer wieder auf und ließ sich bislang nicht abschließend klären. Seitdem ich Anfang 40 bin, denke ich aktiver darüber nach, ob ich nicht doch allein ein Kind bekommen sollte und informiere mich über unterschiedliche Möglichkeiten. Warum sich in dieser Frage von Männern abhängig machen? Allerdings schreckt es mich ab, sehenden Auges alleinerziehend zu sein und mich verunsichert die Wahl des potentiellen Weges. Reproduktionsmedizin kann ich mir nicht leisten. Lasse ich mich von irgendwem schwängern? Ist es in meiner Situation sinnvoll ein Pflegekind aufzunehmen oder zu adoptieren? Eine Zeitlang habe ich mich mit Ko-Elternschaft beschäftigt, aber niemanden finden können, mit dem/der ich mir das vorstellen kann. Zudem verunsichern mich die Lebensbedingungen, die mich als alleinerziehende Mutter mit einem Einkommen auf Harz IV Niveau erwarten würden. Unsere Gesellschaft benachteiligt schon Mütter mit Partner in vielfältiger Hinsicht. Als Alleinerziehende erwarte ich Überlastung, Armut, Altersarmut, Einsamkeit, und das sehr starke Zurückstecken von allem, was mein Leben derzeit positiv füllt. Ist es das Wert, das für meinen Kinderwunsch in Kauf zu nehmen?

Welche Wege bist du ge­gangen, um den Kinderwunsch zu erfüllen? Wie ging es dir damit?

Ich war mir immer sicher, dass ich Kinder wollte. Der Wunsch, mit Kindern zu leben, wird immer wieder bestärkt – ob meine „biologischen“ oder aus anderer „Quelle“ ist für mich völlig nachrangig. Meine Partner wollten/ konnten keine Kinder haben. Ich habe die Frage zunächst immer wieder aufgeschoben. Eine Zeitlang dachte ich dann, ok, dann keine Kinder, ich bin auch so ein zufriedener Mensch. Aber die Frage taucht immer wieder auf und ließ sich bislang nicht abschließend klären. Seitdem ich Anfang 40 bin, denke ich aktiver darüber nach, ob ich nicht doch allein ein Kind bekommen sollte und informiere mich über unterschiedliche Möglichkeiten. Warum sich in dieser Frage von Männern abhängig machen? Allerdings schreckt es mich ab, sehenden Auges alleinerziehend zu sein und mich verunsichert die Wahl des potentiellen Weges. Reproduktionsmedizin kann ich mir nicht leisten. Lasse ich mich von irgendwem schwängern? Ist es in meiner Situation sinnvoll ein Pflegekind aufzunehmen oder zu adoptieren? Eine Zeitlang habe ich mich mit Ko-Elternschaft beschäftigt, aber niemanden finden können, mit dem/der ich mir das vorstellen kann. Zudem verunsichern mich die Lebensbedingungen, die mich als alleinerziehende Mutter mit einem Einkommen auf Harz IV Niveau erwarten würden. Unsere Gesellschaft benachteiligt schon Mütter mit Partner in vielfältiger Hinsicht. Als Alleinerziehende erwarte ich Überlastung, Armut, Altersarmut, Einsamkeit, und das sehr starke Zurückstecken von allem, was mein Leben derzeit positiv füllt. Ist es das Wert, das für meinen Kinderwunsch in Kauf zu nehmen?

Inwiefern hast Du die Umsetzung des Kinderwunschs ad acta gelegt? Wie geht es dir damit? Wie hast du es geschafft, einen (guten) Umgang damit zu finden?

Mir gelingt es bislang nicht, die Frage ad acta zu legen. Manchmal werde ich sehr emotional bei diesem Thema oder muss weinen, ob des gefühlten Verlustes. Gerade das Nicht-Entscheiden-Können produziert das Gefühl nicht geklärter Lebensfragen. Im Großen und Ganzen bin ich mir aber sicher, auch ohne Kind ein schönes Leben leben zu können und zufrieden zu sein. Wenn mich das Thema viel beschäftigt, lese ich ob des mangelnden Raums des Austauschs z.B. Blogs oder gehe spazieren, um mir Zeit für meine inneren Diskussionen mit mir zu nehmen. So wirklich weitergekommen bin ich damit allerdings nicht.

Mit wem sprichst du über deine Lebenssituation?

Neben dem Informieren über mögliche Wege versuche ich das Thema mit meist weiblichen Freundinnen zu besprechen. Allerdings habe ich festgestellt, dass meine Zweifel in meinem Umfeld schwer zu diskutieren sind. Die „Elternfraktion“ rät mir alles andere Nachzuordnen und schnellstmöglich schwanger zu werden. Die „Nicht-Eltern“ finden es nicht nachvollziehbar, dass ich mir diese Frage überhaupt stelle. Vor allem mein linksradikales Umfeld empfinde ich geradezu als feindliches Terrain, um diese Frage zu diskutieren. In meinen aktivistischen Kontexten sind fast ausnahmslos Nicht-Eltern organisiert, wenn Eltern, dann sind es Väter. Die wenigen Freundinnen, die ebenfalls einen unklaren/ unerfüllten Kinderwunsch haben, können sich das Kinderkriegen ausschließlich mit ihrem männlichen Beziehungspartner vorstellen. Mir fehlt ein Raum des solidarischen Austausches über meine Fragen. Deshalb finde ich euren Weg, einen Austausch über dieses Thema zu initiieren und es aus dem individuellen herauszubugsieren, sehr spannend ????

Zeichnungen mit verschiedenen Darstellungen von Elternschaft