- Alter
- 39
- Gender
- x nicht-binär
- Kinderwunsch
- nein
Wie haben sich Freundschaften verändert, seit Du bzw. enge Freund*innen Kinder haben?
Ich habe immer wieder enge Kontakte zu Kindern meiner Freund*innen und Mitbewohner*innen gehabt und dabei zeitweise viel Verantwortung übernommen. In meiner Polit-Gruppe haben wir uns damals mit der Kinderbetreuung zwischen Eltern und Nicht-Eltern abgewechselt, damit möglichst alle regelmäßig am Plenum teilnehmen konnten. Wir hatten immer viele Diskussionen darüber, wie wir die Räume kinder- und elternfreundlich gestalten konnten.
Einige der Kinder kenne ich seit ihrer Geburt. Viele sind mittlerweile erwachsen. Wir sehen uns nicht mehr oft, es besteht aber weiterhin eine enge emotionale Bindung. Zu einem Kind habe ich den Kontakt verloren, nachdem es Konflikte zwischen mir und seiner Hauptbezugsperson gab. Das war ein schmerzliches Erlebnis.
Warst Du dir schon immer sicher, dass Du selbst Kinder bzw. dass Du keine Kinder willst? Warum? Was lässt dich Zweifeln, was bestärkt dich?
Bisher hatte ich keinen Kinderwunsch bzw. einen Wunsch selbst Kinder zu bekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kind in meinem Körper wachsen könnte. Die Vorstellung einer Schwangerschaft und die damit verbundenen körperlichen Veränderungen lösen in mir Unbehagen aus. Gleichzeitig besteht bei mir auch nicht der Wunsch nach Elternschaft. Ich glaube, das hängt mit vielen Faktoren zusammen, von denen mir nicht alle bewusst sind. Sicherlich spielen heteronormative Bilder und Konstellationen sowie Geschlechterverhältnisse eine Rolle, die ‚andere‘ Formen des Miteinanders zwischen Kindern, Eltern und Bezugspersonen oft schwierig machen.
Tickt(e) Deine biologische Uhr nicht bzw. was löst diese Metapher bei dir aus?
Manchmal beschäftige ich mich mit dem Bild der „inneren, tickenden Uhr“. Ich bin fast 40, in meinem Bekanntenkreis gibt es immer mehr Menschen, die sich mit dem Thema Kinderkriegen beschäftigen, vermehrt auch unter dem Eindruck „Wann, wenn nicht jetzt“. Das ist bei mir nicht der Fall. Ich bin mir relativ sicher, dass es auch nicht der Fall sein wird, nicht zuletzt wegen der oben genannten körperlichen Gründe. Das Bild der tickenden Uhr finde ich seltsam, es vermittelt die Vorstellung eines linearen zeitlichen Ablaufes und ist verbunden mit biologistischen und essentialisierenden Vorstellungen von Mutterschaft und Frau-Sein. Falls ich zu einem späteren Zeitpunkt den Wunsch nach Elternschaft verspüren sollte, gäbe es verschiedene Möglichkeiten der queeren Ko-Elternschaft.