- Alter
- 30
- Gender
- weiblich
- Kinderwunsch
- nein
Warst Du dir schon immer sicher, dass Du selbst Kinder bzw. dass Du keine Kinder willst? Warum? Was lässt dich Zweifeln, was bestärkt dich?
Ich wusste irgendwie schon immer, dass ich keine eigenen Kinder will. Schon beim Spielen mit anderen Kindern habe ich lieber die Rolle des Vaters übernommen, oder etwas gänzlich anderes viel lieber gespielt. Besonders erinnern kann ich mich an zwei Begebenheiten: Einmal in der Grundschule wurden wir gefragt wie viele Kinder wir später haben möchten (was für eine absurde Frage) und ich war die letzte, die dran war. Da niemand vor mir "keine" gesagt hat, habe ich gedacht "Okay, ich sag eins, damit es nicht komisch wird, aber eigentlich keins". Wenig später hatten wir eine Katze, die meine Eltern haben sterilisieren lassen. Da habe ich meine Mama gefragt, ob das denn auch bei Menschen geht. Sie hat mir das dann kindgerecht erklärt und als ich ihr dann ca. 20 Jahre später von meinem Vorhaben erzählte, war es somit nicht wirklich eine Überraschung für sie. Das "Warum" kann ich gar nicht so genau beantworten. Vielmehr habe ich in den letzten Jahren immer wieder nach plausibel klingenden Rechtfertigungen gesucht, warum ich kein Kind möchte.
Ich glaube der Hauptgrund ist, dass ich mit der Unruhe und Lautstärke rund um die Uhr, 7 Tage die Woche für viele Jahre nicht zurechtkommen würde. Ich möchte nicht für einen anderen Menschen in dieser Art und Weise Verantwortung übernehmen und für sein Aufwachsen sorgen. Des Weiteren leben wir auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen, die wir heute schon mehr nutzen, als es gut ist.
Welche gesellschaftlichen Erwartungen werden an Dich bezüglich Kinder kriegen bzw. Kinder haben herangetragen? Mit welcher davon hast du am meisten zu kämpfen?
In meiner Arbeit als Physiotherapeutin werde ich immer mal wieder von älteren Menschen gefragt, ob ich Kinder habe. Ich bin ziemlich offen dann mit meiner Ansicht dazu und habe je nach Situation auch meine Sterilisation erwähnt. Hin und wieder stoße ich dabei auf Unverständnis. In so einem Fall erwidere ich dann, dass es die Person weder verstehen noch gut finden muss, dass ich mich so entschieden habe. Dass sie aber, wenn sie einer Fremden so eine Frage stellt, auch damit rechnen müssen, für sie unangenehme Antworten zu bekommen. Mein Eindruck ist, dass oftmals gar nicht darüber nachgedacht wird, was so eine Frage mit einer Frau machen kann (sie könnte ihr Kind verloren haben, es klappt einfach nicht, sie ist selber krank, usw). Das versuche ich dann höflich zu erklären.
Meines Erachtens aber ist die Akzeptanz gegenüber einer Entscheidung gegen eigene Kinder in den letzten Jahren gewachsen. Das Schöne ist ja eigentlich, dass jemand, der das absolut nicht verstehen kann, selbst so viele Kinder haben kann, wie er oder sie möchte. Es gab schon Situationen in denen ein gewisser Neid mitschwang – gerade wenn sich mein Gegenüber eben noch darüber beklagt hatte, dass sie oder er nachts fünf mal zum Kind musste. Oft wird dann hinterhergeschoben, "aber da kannst du ohne Kinder ja gar nicht mitreden" - als ob man sich entschuldigen müsse dafür nachts durchzuschlafen.
Wie wirkt sich deine spezifische Lebenssituation in Bezug auf "Kinder oder keine" auf deine Sexualität aus?
Vor meiner Sterilisation hatte ich sehr viel Angst, dass ich ungewollt schwanger werden könnte. Die Pille habe ich überhaupt nicht vertragen, also haben wir ca. 9 Jahre ausschließlich mit Kondom verhütet, sowie an den von mir beobachteten fruchtbaren Tagen auf Sex verzichtet. Ich hätte sonst zu viel Angst vor einer Panne gehabt, als dass es Spaß hätte machen können. Trotz der gewissenhaften Verhütung habe ich, wenn meine Periode auch nur ein paar Stunden, oder einen halben Tag zu spät war, schon Panik geschoben. Gott sei Dank habe ich einen sehr regelmäßigen Zyklus, sodass es in den ganzen Jahren nur zwei Mal vorkam, dass die Periode 2 Tage drüber war. Schwangerschaftstests habe ich trotzdem unzählige gemacht aufgrund der Horrorgeschichten über unbemerkte Schwangerschaften.
Kurz vor meinem 30. Geburtstag habe ich mich sterilisieren lassen und es war die absolut richtige Entscheidung. Wir verwenden immer noch zusätzlich ein Kondom, weil wir es beide einfach angenehmer finden. Aber wir können jetzt Sex während meiner Ovulation/Eisprung haben und auch beim Vorspiel keine Angst mehr haben, das etwas schief geht. Da mein Mann auch absolut keine Kinder möchte, sind wir beide viel befreiter geworden und können unsere Sexualität viel mehr genießen.